Insel der Elefanten

Imre Török, Insel der Elefanten, Roman

Verlagsankündigung: siehe Seite Publikationen
Interview: siehe Seite Lesungen

Erste Fragen

Zu meinem Roman "Insel der Elefanten" erreichen mich Fragen und Anmerkungen, die andere Leute und Leser auch interessieren.
Und überhaupt – manche Themen sind im Buch nur angerissen, angedeutet. Sie beschäftigen auch mich selber weiter.

In folgenden Beiträgen gehe ich auf Fragen, Anregungen, Kritik ein. Und füge manchen neuen Gedanken zum Roman hinzu.

Nachtrag 2015:
Eine Fortsetzung des Romans ist in der Türkei erschienen.
Siehe weiter unten: Fortsetzung des Romans?

(Eintrag Nr. 1)

Elefanten

Elefanten stehen in dem Buch, das errät man schnell, als Metapher für Gedächtnis und Erinnerung.
Dass Gedächtnis und Erinnerung zugleich auch mit Zukunft zu tun haben (im Sinne von Ernst Bloch), ist eine andere wesentliche Aussage des Romans – jenseits der tatsächlichen bzw. fiktiven Handlungsebenen.

Soll ein Künstler sein Werk erklären?
Nein – eigentlich nicht. Es geht gar nicht, will gar nicht sein. Er kann aber den Blick verstärkt auf Fragen lenken, die ihm beim Schreiben wichtig waren bzw. nach wie vor nachdenkenswert und schön geblieben sind.
(Eintrag Nr. 2)

Ilona Arany

Wer hat den Part, die Perspektive von Ilona Arany im Roman geschrieben? Im Buch wird Ilona Arany und Matthias Schoof für ihre Mitwirkung gedankt. Beide Personen existieren tatsächlich.
Matthias Schoof kommt namentlich im Roman nicht vor, obwohl ich recht viele Gespräche mit ihm geführt habe, die für meinen Roman nützlich waren.
Ilona Arany, dadurch dass sie zugleich Romanfigur geworden war, hat eine anders definierte "Qualität" bzw. "Wesentlichkeit". Im Roman wie in der "Wirklichkeit".
Wesentlichkeit, Wirklichkeit der Frauengestalten des Romans?
Hm, hm ...

Der Protagonist Valentin sagt, jedoch erst nach einer langwierigen Entwicklung, dass die Frauengestalten in seinem Leben miteinander "verschmelzen" würden.
(Kapitel 19: "Elefanten aus dem Paradies")
(Eintrag Nr. 3)

Frauenbuch

"...der mich mit seinem Roman in eine ganz eigene Welt zwischen tausend und mancher Nacht und einem großen allumfassenden Selbstgeständnis des Protagonisten entführt hat. Ich denke, es ist mehr ein Frauenbuch als ein Männerbuch, obwohl der Autor ein Mann ist. Aber vielleicht liegt dort auch sein Reiz."
Regine Möbius
Stellvetretende Vorsitzende des Verbands deutscher Schriftsteller (VS), Kunst und Kulturbeauftragte der ver.di

Was soll ich dazu sagen? Vielleicht, dass mich die weibliche Hälfte meiner Seele oft mehr und tiefgründiger beschäftigt als die männliche Hälfte.
Falls man von Hälften sprechen kann. Wer weiß das schon?
(Eintrag Nr. 4)

Valentin

Oft gestellte Frage, ob der Protagonist Valentin mit mir eine große Ähnlichkeit habe oder gar identisch sei. Der Roman beginnt aus der Perspektive von Valentin, als Ich-Erzähler.
Aber von einer Gleichstellung 1 : 1 kann gar keine Rede sein, Ähnlichkeiten sind nach dem Prinzip "Dichtung und Wahrheit" gestrickt.
Natürlich sagt Valentin vieles, was ich auch denke.
Doch die Weltsicht des Autors steht nicht selten im Widerspruch zu Valentins Ansichten, wird durch andere Personen und Ereignisse zum Ausdruck gebracht.
Autoren verwenden oft autobiographisches Material in ihren Romanen, mit dem sie spielen. Das ist auch bei mir der Fall.
(Eintrag Nr. 5)

Sprache

"Ein beeindruckendes Buch, hochinteressant die Perspektiven-Wechsel, die Sprachen-Ebenen (ungarische im Gegensatz zu deutscher Etymologie - eine Fundgrube!) und nicht zuletzt die autobiografischen Ansätze und Eröffnungen (berührend die Vater-Szenen!) ..."
Jürgen Jankofsky
Schriftsteller
Stellvertretender Vorsitzender
Bundesverband Friedrich-Bödecker-Kreis (FBK)

Das Spiel zwischen Sprachen und Mentalitäten fand ich tatsächlich reizvoll.
(Eintrag Nr. 6)

Europäisches Buch

"Romane können vielerlei Qualitäten haben und eine davon ist, dass man spürt, dieses Buch musste geschrieben werden. Dass man spürt, für den Autor war es wichtig, vielleicht gar überlebenswichtig, diese Geschichte zu schreiben, und diese Kraft und Entschlossenheit teilt sich dem Leser mit. Er spürt Lebensenergie, Erzählenergie, den kraftvollen Schub des Lebens.
So ist es mir bis jetzt mit Deinen "Elefanten" gegangen. Und natürlich ist es autobiographisch grundiert. Und das ist alles sehr, sehr gut so. Ein Buch, das redet von der harten, schönen, gefährlichen Lebenssubstanz, die einen wegsprengen kann, die einen aber auch in wunderbare Höhen hinaufbringen kann.

Aber es ist, wie mir scheint, auch ein "europäisches" Buch, das von erzwungenen Lebensbewegungen in Europa spricht, von Entwurzelung und von einer großen, großen Heimatsuche. Sehr schön, wie die Sprachen hier dramaturgische und lebensprägende Relevanz erhalten, das Ungarische, das Deutsche."

Rainer Wochele
Schriftsteller
Neuester Roman: Der General und der Clown


Ja, Schriftstellerfreunde, die mich seit langem gut kennen, sehen natürlich tiefere Zusammenhänge zwischen dem Roman und dem Lebensweg des Autors.
Ein europäisches Buch?
Ich hoffe es.

(Eintrag Nr. 7)

Die Macht der Erinnerung

Gut gefallen hat mir ein Artikel in der "Schwäbischen Zeitung" unter der Überschrift "Török erklärt die Macht der Erinnerung".
Zitiert wird auch der Satz:
"Erinnerung ist ein Vermögen, sogar aus alten Wunden neue Wunder geschehen zu lassen."
Das sagt Isis, die altägyptische Göttin und Welterzählerin. (Kapitel 19. Elefanten aus dem Paradies)
Sicher kein unbedeutender Satz im philosophischen Kontext des Romans.
Erinnerung und Zukunft. Erbschaft und Prinzip Hoffnung.

Der Artikel hier:
www.schwaebische.de/lokales/bad-waldsee/oberschwaben_artikel,-Toeroek-erklaert-die-Macht-der-Erinnerung-_arid,4128439.html
(Eintrag Nr. 8)

Romantheorie

"Insel der Elefanten" will auf der einen, vordergründigen Ebene hauptsächlich gut und spannend unterhalten.

Und sozusagen im "Subtext", im angedeutet gedachten Text hinter den Geschichten und Geschehnissen, dort werden auch andere Themen behandelt.
So zum Beispiel die Beschäftigung mit der Romantheorie selbst.
Was kann ein Roman leisten? Welche Rolle spielt die Montagetechnik? Wie hängt das alles zusammen mit der Funktion unseres Gehirns?
Solche Fragen werden gelegentlich im Roman gestellt, z. B. von Valentin im Gespräch mit Ilona, und z.T werden sie auch beantwortet:
Kapitel 7. Das schöne Leben des Goldkäfers. Oder auch im Kapitel 11. Hund, Schwan, Frosch, Mondlicht.

Doch wie vermessen unser (mein?) Anspruch als Schriftsteller, was ein Roman alles leisten sollte oder könnte!

Wenn doch das Gehirn einer winzigen Mücke schon eine viel größere Komplexität aufweist, als was an Informationen auf der Festplatte eines Computers um die Jahrtausendwende hätte gespeichert werden können.

Aus der Mücke einen Elefanten machen?
(Eintrag Nr. 9)

Insel

Um welche "mediterrane Insel" handelt es sich?
Der Titel des Romans ist ja mehr eine Metapher (= Übertragung), also ist diese Insel Teil eines "magischen" Bildes.
(siehe auch Kapitel 17. Goldmensch)
Geschrieben habe ich etliche Teile des Romans, z. B. Passagen über Licht und Meer und vieles mehr, tatsächlich auf einer Insel im Mittelmeer. Für die Lektüre ist es jedoch unerheblich, genau diese Insel, von der es in der griechischen Sagenwelt heißt, sie gehöre dem Sonnengott Helios, zu kennen.
(Eintrag Nr. 10)

Buddhist

"Sind Sie ein Buddhist?"
Wenn ich diese Frage beantworten könnte, wäre ich k/einer.

Nachtrag:
Die Frage bezog sich darauf, dass an verschiedenen Stellen des Romans von Gegensätzen / Paradoxen (mal wörtlich mal im Vergleich von Situationen) gesagt wird, das Gegensätzliche sei im Grunde "dasselbe".
Zum Beispiel in 11. Hund, Schwan und Frosch im Mondlicht:
"Ich habe gedacht, du würdest mich tiefer in deine damalige leidenschaftliche Schreibwelt einführen. Du hast mir jedoch eher erklärt, warum du kein Schriftsteller geworden bist."
"Ja, aber das ist doch dasselbe."
Es gibt andere Beispiele für Paradoxen im Roman, insbesondere im Hinblick auf die Suche nach tiefen Werten / Wahrheiten.

Nachtrag 2:
"Die meisten religiösen Wahrheiten werden in Paradoxen ausgedrückt. Dies tut auch Zen. Was aber Zen unterscheidet, ist seine Offenheit, sein Umgehen mit diesen Dingen auf eine ganz natürliche Weise, als handle es sich um nichts, das unsere tägliche Erfahrung übersteigt."
"Offensichtlich gibt es eine Welt, in die menschliche Psychologie und der menschliche Begriff der Moral und des Guten nicht eindringen, in der Gott allein ruht und alle menschlichen Leidenschaften, Schmerzen und Torheiten betrachtet; und es ist das Mysterium aller Mysterien, dass diese Welt nicht jenseits jener Welt ist, in der wir Sterbliche, Tautropfen gleich, leben und sterben."
Beide Zitate aus:
Daisetz Teitaro Suzuki
Leben aus Zen
(Eintrag Nr. 11)

Religionskritik

Das Buch übe unsachlich Religionskritik.

Der Romanheld äußerst sich kritisch, überspitzt, vor allem anfangs. Ob unsachlich, sei mal dahingestellt. Und er macht eine Entwicklung durch.
Ansichten eines Romanhelden und eines Autors sind nicht automatisch deckungsgleich.

Aber schon klar, ich will meine Ansichten nicht verstecken. (Sie sind übrigens der Gesamtheit des Romans zu entnehmen.)
Tiefe Überzeugung, tiefe Religiosität ist für mich "heilig". Was alles im Namen von Religionen geschieht, ist mitnichten heilig.
Das Unerklärbare der Schöpfung, dieser Zauber, diese Magie, das ist sowohl vom Standpunkt der modernen Physik als auch vom Standpunkt demütiger Religiosität gleichermaßen etwas Faszinierendes und sehr Wertvolles.
Die Sehnsucht des Romanhelden weist in diese Richtung.
(Eintrag Nr. 12)

Isis

Die altägyptische Göttin Isis, die Welterzählerin, erscheint leibhaftig und kommuniziert mit dem Romanhelden.
Wie kann der studierte Physiker Valentin an diese Erscheinung, an Magie glauben?

Nun, es geht nicht um Magie im "üblichen" Sinne, und Valentin verknüpft das Geheimnisvolle in der Physik (die "Erkenntnisse") mit Magie und Mystik der Religionen.

Eine ("literarische") Antwort hatte lange vorher im Roman Ilona bereits formuliert.

"Das Universum eine einzige, großartige Metapher."
(Kapitel 17. Goldmensch)
(Eintrag Nr. 13)

Zufall

Zu Zufälligkeiten im Roman zwei Anmerkungen.

"Es gibt keine Zufälle."
Die Worte meiner Freundin Erica Hännsler (Leiterin des Theater Stok in Zürich) begleiten mich seit Jahrzehnten.

"Wir werden sehen, dass wir den Zufall im quantenmechanischen Einzelprozess nach wie vor nicht erklären können ..."
Anton Zeilinger, "Einsteins Schleier. Die neue Welt der Quantenphysik" * (S. 221)
C.H. Beck, München, 2003

* Dazu mehr unter dem nachfolgenden Stichwort "Information"
(Eintrag Nr. 14)

Information

Was Information sei, damit beschäftigt sich der Roman (eigentlich der Subtext des Romans) eingehend.
Die Frage der Information (damit zusammenhängend: Zeit, Zufall, Möglichkeit etc.) interessiert mich seit langem.
In Vorarbeiten zum Roman habe ich u.a. viel von dem Physiker Anton Zeilinger gelesen.(siehe "Zufall").
Im Zusammenhang mit seinem Buch "Einsteins Schleier" notierte ich mir:

Information und Möglichkeit

Was ist eine Möglichkeit (Potentialität)?
Sie existiert, aber auch nicht. Relativ (in "unserer" Zeit) existiert sie noch nicht. Absolut ist jede Möglichkeit ewig vorhanden.
Möglichkeit könnte eine Neigung der Information sein. Eine "Neigung", die noch nicht "gefallen" ist. Noch nicht ins "Beobachtbare" gefallen ist. Noch nicht als Entscheidung gefallen ist.
Die Möglichkeit wäre also in einer "Sphäre" beheimatet, von der Anton Zeilinger sagt, dass es "sinnlos" sei (S. 216), danach zu fragen.

Aber "sinnlos" zu fragen ist und bleibt noch immer eine Möglichkeit. Denn das "Sinnlose" als Möglichkeit könnte durch unseren eingeschränkten Erkenntnishorizont allein (vor-)gegeben sein.
Seit jeher frage ich mich, wie kann es angehen, dass wir zwar sehen, der Erkenntnishorizont eines Menschen heute ist ein anderer als vor zwei Jahrtausenden, wir aber noch immer oft meinen, das menschliche Gehirn habe nun, gerade jetzt, den endgültigen Höhepunkt seiner Erkenntnisfähigkeit erreicht.
Die "Möglichkeiten" des Universums könnten unserem Erkenntnishorizont auch verborgen bleiben, weil wir die "richtigen" Fragen noch gar nicht stellen können.
Ein Mensch kann nicht nach den physikalischen Gesetzen fragen, warum die Erde sich um die Sonne dreht, solange er qua Wissensstand meint, die Sonne kreise um die Erde.
Wie können wir zum Beispiel fragen, welche Möglichkeiten (der Entscheidung) es geben könnte, wenn wir nicht einmal wissen, was Möglichkeit eigentlich ist. Was ist Möglichkeit im Universum der unendlichen Wechselwirkungen und was entscheidet, welche Möglichkeit wann und wo (in welchem Universum) sich manifestiert?
Information ist empfangbar. Aber stets nur auf "Anfrage". (Ausnahme: Gnade / schöpferische Intuition, als indirekte Formen der "Anfrage".) Doch Empfang, Empfängnis setzt Empfangsbereitschaft voraus. (evolutionäre Wechselwirkung!)
Wir scheinen zu wissen, dass der Information mehr Möglichkeiten innewohnen, als nur die "Weginformation" (Zeilinger) als Brücke zwischen A und B.

Wie schwer es dem Gehirn doch fällt, zu erkennen, dass es stest nur relativ "auf der Höhe der Zeit" sein kann. So "eingefleischt" ist diese Selbstverliebtheit des Gehirns, die jetzige Erkenntniszeit sei eine end-gültige.
Welche Wissenshöhen sind uns als zukünftige Möglichkeit gegeben?

Viel zu viel wissen wir (noch) nicht.
(Eintrag Nr. 15)

Schicksal

Gunst und Grauen des Schicksals sind manchmal (immer?) unauflöslich miteinander verwoben.
Eine alte Erkenntnis, die in der Antike in den Tragödien symbolisch verdeutlicht wurde.
(Wenn Valentin im Roman vom Chor spricht, meint er das.)
Neu in unserer Zeit ist "lediglich", dass wir so etwas wie Schicksal – außer als esoterischen Quark – meist nicht mehr akzeptieren wollen. Es gibt jedoch keine Gunst und keine Gnade zum Nulltarif. Heißt Schicksal also, dem Spiel der Naturgesetze (der Thermodynamik, der Entropie) gnadenlos ausgeliefert zu sein? Das ist ja die eigentlich wertvolle Frage in allen Weltreligionen, trotz ihrem Wust an Überholtem.

Antwort auf diese Frage können Ilona, Valentin, Isis nicht geben.
Jedenfalls nicht in diesem Roman. Das wäre zu vermessen.
Doch enthält die mannigfaltige Schöpfung (Schicksal) eben auch die Möglichkeit der Gunst, der Gnade. Naturwissenschaftlich gesagt: Teil der Entropie ist die Negentropie. Das Chaos trägt den Keim (die Möglichkeit) der Geburt in sich.
Geburt von kosmischen Strukturen, von Galaxien, Sonnensystemen, Planeten, Lebewesen, Menschen.
Nur einseitig beharren, sich versteifen auf eine Gunst des Schicksals, das ist witzlos oder aberwitzig. Entstehung von Leben, Geburt ist immer ein GEBOREN WERDEN.

Wundervoll magische Gedichte einer kurdischen Lyrikerin habe ich im Sommer mit übersetzt. Eines heißt "Geburt".
Der Gedichtband erschien in der deutschen Übersetzung zur Frankfurter Buchmesse 2010 im POP Verlag:
Arzu Alır, "Wenn Satan sich zum Rosenzweig beugt".
Arzu Alır ist die Dichterin und Romanautorin Arzu Demir in Ankara.

Geburt

jeder νοn uns ein Adam
wären wir mit Worten geboren worden

oh Macht der Windstille
Abschiedhymnen des Veda

hatte Buddha ohne Schmerz
wie sonst den Weg gefunden

glaube daran du bist nicht unrein
Tochter der Eva

sei still

Zarathustras
Verbot übertretend
wie viele Tiere ich verspeist
und
in den Türmen des Todes
auf hungrige Vögel gewartet

Tod möge kommen ich gehe nicht mit

ich sollte mich daran erinnern
angesichts Mose
ans Leugnen
wie ich mich gereinigt habe
am Opferstein der Wissenden

ich sollte mich selbst 1ieben
wie ich Jesus 1iebte
nachdem die Nägel entfernt worden waren

und ich sollte neu geboren werden
im Körper der Welt
an mir Menschenkleider tragend


Im Schlusskapitel meines Romans leuchtet auch das philosophische Licht dieser Muslima und Weltbürgerin Arzu Demir auf.
(Eintrag Nr. 16)

Sprache 2

"... dass ich kürzlich Deinen Roman gelesen habe und dass ich ihn sehr spannend und überaus interessant fand. Aber nicht nur Ungarn und seine Geschichte (sowie die Geschichte in der Geschichte) - auch Deine Sprache empfand ich erneut als etwas Besonderes, sowie Deine Kunst, sie geschickt zu transportieren: Sehr direkt oft, ironisch, auf den Punkt gebracht, dann aber wieder einfühlsam und weich, so dass man als Leser der Story nachläuft wie den "wandernden Elefanten im Streifen des Sonnenlichts" ...
Dieses Bild ist sehr, sehr schön. Großes Kompliment!"

Helene Luise Köppel
Schriftstellerin
Romane u.a.
"CARCASSONNE. Das Schicksalsrad", 2009
Die Affäre Calas, 2007
(Eintrag Nr. 17)

liebevoll

"Ein schönes Buch, sehr schlau, bissig, versoffen, philosophisch, historisch, träumerisch, poetisch, melancholisch und liebevoll."

Andreas Wilhelm
Schriftsteller
Begründer und Leiter des Montségur Autorenforums
Hervorragend seine Romantrilogie:
Projekt: Babylon
Projekt: Sakkara
Projekt: Atlantis
(Eintrag Nr. 18)

kollektives Gedächtnis

Auszug aus der Rezension von Janette Bürkle:

Ein Schriftsteller wie Imre Török gehört zu den Personen, die sich verantwortlich fühlen, unseren Blick zu schärfen. Zu schärfen und zu sensibilisieren für unser kollektives Gedächtnis.
Sie halten Dinge fest, an die sich die nachfolgenden Generationen erinnern sollen oder wollen. Und sein Roman „Insel der Elefanten“ ist ein kulturelles Gedächtnis geworden, mit sozusagen konservierten Erinnerungen.
(...)
Mit einem mächtigen Handstreich gelingt dem Autor Török das Bewahren von namhaften Schriftstellern, Freiheitshelden und Dichtern. Der Größte unter ihnen aus der Neuzeit ist sicherlich Imre Kertész, der Literaturnobelpreisträger von 2002. Sein „Kaddisch für ein ungeborenes Kind“ ist auf Seite 132 verewigt. Mit seinem Zitat: "Die Welt besteht aus Scherben, die auseinanderfallen, sie ist ein dunkles, zusammenhangloses Chaos, allein vom Schreiben zusammengehalten.“ (Seite 131) steht er seinen Mitstreitern bedingungslos zur Seite.
Imre Török scheut sich nicht, alle die aufzuzählen, die nicht in Vergessenheit geraten sollen. Sei es Goethe, Schiller oder Hölderlin, Tabucchi, Esterházy, Petöfi, Jókai oder Kossuth. Um nur einige von ihnen zu nennen.

Fazit
Imre Török erbringt auf 399 Seiten den poetischen Beweis dafür, dass Wissensvermittlung, Philosophie und Phantasie auf gemeinsamen Flügeln durch Vergangenheit und Gegenwart gleiten können.

Die vollständige Rezension hier: www.nietzsche.twoday.net/stories/insel-der-elefanten
(Eintrag Nr. 19)

Fortsetzung des Romans?

Oft wurde ich gefragt, ob mich die Themen in "Insel der Elefanten" weiter literarisch beschäftigen würden.
Ja, das tun sie.
Geplant war von Anfang an eine Trilogie.
In "Insel der Elefanten" wird bereits die Prinzessin Djavidan Hanum erwähnt. Die ungarische Gräfin May Török von Szendrö und spätere Gemahlin des Khediven von Ägypten hat 1930 in Berlin unter dem Namen Djavidan Hanum ihr Buch "Harem" veröffentlicht. Scharfzüngig und entlarvend beschreibt sie darin das Leben im Harem - aus eigener Lebenserfahrung ebenso wie auf Grundlage des intensiven und aufgeschlossenen Studiums orientalischer Wertevorstellungen.
In Berlin des Jahres 1943 trifft die Gräfin ihren Verwandten, den ungarischen Diplomaten, über dessen Leben im ersten Teil der Romantrilogie "Insel der Elefanten" ausführlich erzählt wurde.

Von dieser hoch spannenden Begegnung, von Berlin, Ägypten und Istanbul, von Krieg, Widerstand gegen das NS-Regime, von Rettung, Liebe, Heimatsuche und von Nofretete handelt der neue Roman, an dem ich arbeite.

Nachtrag Anfang 2014: Ich schreibe an den letzten drei von 20 Kapiteln.
Arbeitstitel: "Die Königin von Ägypten in Berlin"

Nachtrag Mai 2015:
Der zweite Teil der Trilogie ist in der Türkei erschienen, zunächst also nur auf Türkisch, unter dem Titel
"Haremden Berline. Cavidan
Verlag nota bene, Ankara
(Aus dem Harem nach Berlin. Djavidan)
Übersetzer: Mustafa Tüzel
Lektorat: Arzu Demir (Ankara)
Cover von Emir Roda Alır (Ankara)

(Eintrag Nr. 20)

Imre Török fasziniert mit poetischer Lesung

Überschrift der Kritik der Schwäbischen Zeitung über eine Lesung aus dem Roman im Januar 2012.
Auszug:
Imre Török versteht es dabei, mit poetischer Sprache und bannend lebendiger Vortragsweise die Zuhörer an seiner bewegten Schriftstellerwelt teilhaben zu lassen.
Und so ist sein Lesen "wie Kino im Kopf", man fühlt sich dabei am Strand mit der Geliebten und bei der Begegnung des Vaters mit einem bekannten Schriftsteller in Budapest. Gerade hier stellt Török eine existentielle Kardinalfrage, wie sich Schönheit und die reale Welt als Kunst vereinbaren lassen.
(Eintrag Nr. 21)

Irrtümer

Irrtümer, Lebensirrtümer - auch davon handelt der Roman.
Die Augabe März 2012 von GEO enthält einen interessanten Artikel "Aus Fehlern lernen. Vom Wert falscher Entscheidungen".
Darin werden u.a. Fehlleistungen unseres Denkvermögens thematisiert, und es heißt dort zum Vergleich von Gehirn und Computer:

... dass sich in den vergangenen Jahrzehnten eine Metapher für unser Denken durchgesetzt hat, die in fast jeder Hinsicht falsch ist: die Metapher vom Gehirn als einem Computer. Wir glauben Erinnerungen zu "speichern" und denken in Rechenvorgängen, wenn wir eine Situation "analysieren". Doch das menschliche Gehirn hat nichts mit dem Speichern von Informationen auf einem Mikrochip gemein. Unsere Erinnerungen werden ständig überformt, neu bewertet und einem sich verändernden Selbstbild angepasst. Die "Bilder" in unserem Kopf sind ein weiches Konstrukt aus Realität und Wunsch- (oder Alb-)traum. Und unsere Entscheidungen sind durchsetzt von Abkürzungen und Schätzungen, gesteuert von Emotionen. Trieben und Denkfaulheit.

In diesem Sinne spielt es in meinem Roman eine große Rolle, was die Protagonisten denken, fühlen, woran sie sich erinnern - und was sich auf dem Laptop des Romanhelden Valentin findet.
(Eintrag Nr. 22)

äußerst empfehlenswert

Eines der besten Bücher, das ich je gelesen habe! Äußerst empfehlenswert.
Schade, dass wir den Abschluss-Roman vorerst nur auf Türkisch lesen können; ich warte gespannt auf die "Übersetzung".
Peer Langenfeld, Schriftsteller
Sein Roman: Die Summe aller Schatten


Anmerkung:
Der zweite Teil ist zunächst nur in der Türkei erschienen, 2015.
Siehe dazu weiter oben:

Der neue Roman ist keine direkte Fortsetzung von "Insel der Elefanten" knüpft jedoch an viele Themen an und einige Protagonisten des vorangegangenen Romans treten wieder auf.
(Eintrag Nr. 23)


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